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Montag, 28. November 2016

Storytelling Part III - Alkohol und Individualismus








Ja, schon wieder dieses Storytelling. Jedoch, Werbungen erzählen Geschichten, oder produzieren sie zumindest in den Köpfen der Betrachter. Schon ganz kleine Details – Nuancen im hiesigen Zusammenhang – können Grundlagen für Geschichten sein. In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Hochprozentigen, dem Gin genauer gesagt.

Die Geschichte des Gin startet im 17. Jahrhundert. In Holland wird das Getränk Genever gebrannt. Genever nennt man es, da die zweitwichtigste Zutat, neben dem Gerstendestillat, die Wacholderbeere ist und diese im Lateinischen Juniperus heisst – im niederländischen heisst sie Jeneverbes. Dieser Schnaps wird in England weiterentwickelt in dem der Alkoholgehalt etwas angehoben wird, der Name verenglischt wird und neben den Wachholderbeeren zusätzliche Gewürze mitdestilliert werden und genau auf diesen Gewürzen baut ein seit geraumer Zeit andauernder Gin-Trend auf. Es gibt Gin Bars, in denen nur Gin und ein passendes Tonic dazu verkauft werden und in Standardbars werden mehrere Ginsorten angeboten – was mittlerweile auch erwartet wird. Gin und Tonic lassen sich nun individuell anpassen. Es wird nicht irgendein Gin-Tonic getrunken, sondern das, was man sich selbst zusammenstellt.

Bildergebnis für elixier ginBildergebnis für gin mare 

















Die verschiedenen Gewürze und Kräuter liefern für viele Schnapsbrenner nun eine perfekte Verkaufsgrundlage. Schon nur die Verwendung von einem separaten Kräutergewächs bietet Geschichte und Stoff für eine Neue Ginmarke. Beispiele dafür gibt es einige. Beim Elixier Gin aus Deutschland gibt Waldmeister eine markante Geschmacksnote ab, beim Gin Mare aus Spanien haben es vor allem Mediterrane Kräuter wie Basilikum und Rosmarin in die Rezeptur geschafft. Diese Kräuter erzählen eine Geschichte: «Wo kommt der Gin her?» Wachholder ist ein Aroma, welches vor allem in Deutschland Anklang findet (Waldmeister Sirup, Waldmeister-Brause…) und auch da wächst. So auch die Mediterranen Kräuter im Gin Mare. Die Gewürze sind die Grundlage der Mediterranen Küche. 


Auf dieser Grundlage lässt sich nun aufbauen. Das Konzept optimierte die Brennerei Black Forest Distillers bis in die Perfektion – der Mokey 47. Die Rezeptur des Gins soll ursprünglich von einem Commander der Royal Airforce stammen, welcher sich nach dem zweiten Weltkrieg im Schwarzwald niedergelassen hat und dort den Landgasthof «Zum wilden Affen» eröffnete. Im Angebot eine eigene Gin-Variation. Das Rezept sei nun Jahrzehnte später in einer Kiste wiedergefunden worden sein. Darauf baut nun der Monkey 47 auf. Zutaten sind insgesamt 47 Kräuter, ob das der gewöhnliche Konsument herausriecht ist fraglich, die Marketingaktion ist jedenfalls gelungen. Der «Schwarzwald dry Gin», der seit 2008 produziert wird, ist heute in der ganzen Welt erhältlich. Neben der Story und der Rezeptur ist die spezielle Flasche ein absoluter Hingucker. Sie ähnelt stark den alten Apothekerflaschen aus dem vorletzten Jahrhundert und die Etikette ist in Form einer Briefmarke gestaltet. Kostenpunkt des Gins 55 Franken im Schnitt. Dass dabei nur 50cl statt der Branchenüblichen 70cl drin sind, stört dabei wenig. Soviel ist uns die schöne Geschichte allemal wert, wenn wir dafür etwas trinken, dass nicht gleich jeder trinkt.

Hier das Video zur Geschichte 



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